Vom 21.- 23. November verbrachten wir ein abenteuerliches Wochenende im „Zentrum Pfadfinden“ in Immenhausen. Im frisch renovierten Gruppenhaus (erstes Leiterwochenende mit richtigen Duschen!) starteten wir traditionell mit einem Mitbringbuffet in das Wochenende. Einige wurden dadurch sogar so gestärkt, dass (mehr oder weniger gefüllte) Wasserkisten mit Fingern hochgehoben wurden. Andere genossen die Wärme vor dem Kamin, während der Schnee rieselte.
Am nächsten Morgen hieß es um 9.20 Uhr: Alarm! Durch Porridge frisch gestärkt düsten wir nach Hannoversch Münden, wo Stadtführerin Charlotte uns schon vor dem Weserrenaissance (die uns noch bestens aus dem Zeltlager in Hameln bekannt war) Rathaus erwartete. Bei der Stadtführung staunten wir, wie viele Geschichten in dieser Altstadt mit ihren vielen Fachwerkhäusern stecken. Wir erfuhren, dass Herzogin Elisabeth hier lebte, schon mit 14 zwangsverheiratet wurde und später mutig die Reformation vorantrieb und sich für Frauenrecht einsetzte (auch wenn sie damit leider ihrer Zeit voraus war). Auch der Dreißigjährige Krieg holte uns ein: Feldherr Tilly belagerte die Stadt 1626 so heftig, dass das „Blut-Pfingsten“ bis heute unvergessen ist. Und natürlich durfte Doktor Eisenbart nicht fehlen – der berühmte Wanderarzt, dessen skurrile Behandlungsmethoden heute sogar am Rathaus als Glockenspiel nachgestellt werden. So fühlte sich unser Rundgang an wie ein Spaziergang durch Jahrhunderte voller Drama, Mut und kurioser Figuren. Vorher hatten wir noch nie von ihm gehört, aber am Samstag begegnete uns Doktor Eisenbart überall: an Häusern, am Waldesrand und als Szene aus Lichterketten dargestellt. Besonders im Gedächtnis blieb uns, dass Dr. Eisenbart während seiner Behandlungen laut Musik spielen ließ, damit die Stadtkapelle die Schreie seiner Patienten übertönte. So wurde jede Operation zu einer Mischung aus medizinischem Eingriff und wanderndem Spektakel. Auch das von ihm verwendete Medikament, das zu 60% aus Opium bestand, sowie sein Sterbehaus (aka. Rossmann) blieben uns in Erinnerung.
Nach den zwei Stunden bei minus 5 Grad hauchten die Tagessuppe (die so groß war, dass sich einige Männerhappen ergaben) und die Heißgetränke im Café Zimt und Zucker uns wieder Leben ein. Mit endlich wieder spürbaren Füßen und Händen überquerten wir die Werrabrücke und erkundeten die Umgebung rund um die Mündener Innenstadt – wobei uns auch die heutige Jagd nicht an einem Spaziergang durch den Reinhardswald hindern konnte. Dabei entdeckten wir nicht nur ein verlassenes Hexenhaus, sondern auch die Tillyschanze, an der wir zwischen den Bundesländern hin- und herwechselten. Den Abend genossen wir mit Pizza, Chips, Gemüselasagne und Süßkram vor dem Kamin. Hitzige Spiele und Regeldiskussionen (Schrewe- oder Ensten-Regeln?) sowie Warstein-Gossip hielten uns lange wach.
Kurz vor der Abreise aus Immenhausen am nächsten Morgen ergab ein Inspektionsrundgang auf dem Zeltplatz, dass wir 2027 sehr gerne mit Kindern, Zelten und einigen Grad mehr wieder kommen würden! Doch bevor es zurück nach Warstein ging, statteten wir der Schokowelt in Lippstadt noch einen Besuch ab. Einige Pralinen und Kuchenstücke später traten wir dann die Heimreise an.





